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In der Nähe von Ahangama, im Südwesten Lankas, sind im Umkreis des Dorfes Kataluva drei buddhistische Klosteranlagen zu entdecken. In jeder dieser Anlagen befindet sich ein dem Buddha Gautama gewidmeter Tempel, der im Hinblick auf die malerische Ausgestaltung mit buddhistischen Themen besondere Aufmerksamkeit verdient.

An erster Stelle ist der populäre Purvarama Vihara zu nennen, dessen Malereien aus dem 19. Jh. ausführlich behandelt werden von Bandaranayake (2006 [1986]: 204-213) und Gatellier (1991: 1. 94).

Vermutlich einem kleineren Kreis bekannt ist der Buddhatempel von Ginivella: Neben den Malereien aus dem 20. Jh. finden sich dort einige moderne Bilder, die im Rahmen des im Jahre 2002 von Europäern initiierten „Kataluva Tempel Projekts“ entstanden sind.  Diese außerhalb jeder lankischen Maltradition stehenden Bilder wurden im Jahre 2004 zum Teil von Unbekannten zerstört.

In direkter Nachbarschaft zur Klosteranlage von Ginivella liegt der in Vergessenheit geratene und bis jetzt nicht dokumentierte oktagonale Buddhatempel von Ranvella. Die hier erhaltenen und vermutlich restaurierten Malereien aus dem 19. Jh. zeigen das Buddhacarita, Perahera-Szenen, Darstellungen der Höllenwelten sowie das in kontinuierender Technik ausführlich dargebotene Ummagga-Jataka, das hier im Detail vorgestellt wird.

Von oben links nach unten rechts: 1 Ranvella Vihara. 2 Wandelgang (rechts: die Außenwand zeigt das Ummagga-Jataka; links: die Innenwand mit dem Buddhacarita). 3 Zentraler Schrein mit der Plastik des Buddha Gautama. 4 Szenen Ummagga-Jataka. 5 Szenen Buddhacarita. 6-8 Details Ummagga-Jataka.

 Ranvella

Der das Ummagga-Jataka erzählende Bildstreifen ist in fünf ca. 60 cm hohe Register unterteilt und bedeckt die gesamte Außenwand des um den zentralen Buddhaschrein herumführenden Wandelganges. Die Geschichte beginnt im oberen Register mit der Darstellung des im Jetavana-Park von Savatthi zur Mönchsgemeinde sprechenden Buddha, der von seiner früheren Existenz als Mahosadha (dem Protagonisten des Ummagga-Jatakas) berichtet. Sie endet im fünften Register mit einer Szene, die wiederum den Buddha im Jetavana-Park zeigt. Im unteren sechsten Register werden die buddhistischen Höllenwelten gezeigt.

Der folgende Wandaufriss verdeutlicht, dass die Bildsegmente des jeweils folgenden Registers in entgegengesetzter Richtung verlaufen. Die singhalesischen Erläuterungen (Beischriften) sind freilich stets von links nach rechts zu lesen.

Diese Beischriften zu den einzelnen Szenen des Ummagga-Jatakas sind oft sehr kurz gefasst. Sie bieten etwa im Rahmen der Prüfung des jungen Mahosadha nur Stichwörter, da die Ausführungen hierzu den Mönchen vermutlich geläufig waren. Daher wurden für die auf den folgenden 53 Seiten gebotenen Bildbeschreibungen die englische Übersetzung der singhalesischen Ummagga-Jataka-Fassung von Yatawara (1898), die singhalesischen Beischriften vor Ort sowie der parallele Pali-Text (Jāt, Vol. 6: 329-478) konsultiert. Auffallend sind die zahlreichen Abweichungen zwischen der von Yatawara übersetzten singhalesischen Fassung und dem in Pali festgehaltenen Text. Der an einer vollständigen Übersetzung der Pali-Version interessierte Leser sei auf die kommentierte deutsche bzw. englische Übersetzung von Dutoit (1916, Bd. 6: 389-599) bzw. Cowell (1907, Vol. 4: 156-246) verwiesen.

Auch ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis ist sicher hilfreich für einen ersten Überblick über den Inhalt dieser Erzählung. Dort finden sich zudem noch Hinweise auf jüngere parallele Darstellungen, die hier in einer kleinen Auswahl jeweils im unteren Seitenbereich vorgestellt werden. Diese jüngeren Werke sind ähnlich ausführlich gestaltet wie in Ranvella und in folgenden Klosteranlagen zu finden:

Im Subodharama Vihara (Colombo) umzieht der auf das obere Register begrenzte Bildstreifen alle vier Außenwände des Wandelganges.  Diese Bilder sind 1897 datiert und somit etwa einhundert Jahre jünger als die Malereien, die auf den Innenwänden des Wandelganges präsentiert werden. Zur Trennung der zeitlich aufeinanderfolgenden Szenen führt der Künstler hier räumlich gestaltete Prachtbauten als Darstellungsmittel ein. Dieses Stilmittel ist auch vorherrschend im Niketarama (Matara), wo der Bildstreifen mit dem Ummagga-Jataka die in drei ca. 90 cm hohe Register unterteilte Außenwand des Wandelganges vollständig bedeckt. In seiner ganzen Breite, durch immerhin 70 Einzelbilder, wird die Erzählung im Rajakulavadana Rajamahavihara (Weligama) vorgestellt. Die Bilder des oberen Registers sind zwar schlecht restauriert, die erhaltenen Originale von A. S. Sodiris in den darunter liegenden beiden Registern verdienen aber besondere Beachtung. Im Isipatana Vihara (Colombo) treffen wir auf eine weitere detaillierte Darstellung dieses Jatakas. Dieses Gesamtwerk setzt sich aus 60 Einzelbildern zusammen und wurde 1920 von M. Sarlis vollendet. In der Vorhalle des Galgoda Mahavihara (Panadura) schließlich umfasst die Bebilderung des Ummagga-Jatakas noch elf Bilder.

Einzelne Episoden des Ummagga-Jatakas sind noch heute populär. Im Kontext der Illustrationen der zehn paramitas etwa wird die prajñaparamita wiederholt durch zwei Streitfälle aus dem Ummagga-Jataka illustriert, die Mahosadha zu schlichten hat:  In einem Fall ermittelt Mahosadha die wahre Mutter eines Jungen (z.B. im Sudarshanarama [Naravala, Galle], vgl. u. zum Stichwort putta) und im anderen findet er heraus, dass Kalagola (bzw. Golakala) der rechtmäßige Ehegatte der Dighatala ist (z.B. im Vijayananda Mahavihara [Galle], vgl. u. zum Stichwort goḷa bzw.Kalagola).

>> Der Buddha vor der Mönchsversammlung